Die ehemalige französische Finanzministerin Christine Lagarde hat es geschafft. Zum ersten Mal seit der Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) führt eine Frau als Direktorin die wichtigste Finanzorganisation und tritt damit die Nachfolge von Strauss-Kahn an.
Für Insider war es keine Überraschung, als Christine Lagarde am 5. Juli 2011 einstimmig zur neuen Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewählt wurde. Galt sie doch bereits im Vorfeld als Favoritin für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn, der seinen Posten wegen eines Vergewaltigungsvorwurfes zur Wahl stellen musste. Die 55-jährige Französin hatte bislang als Finanzministerin im Kabinett von Präsident Nicolas Sarkozy von sich Reden gemacht. Vorher hatte die studierte Anwältin eine der größten Kanzleien in den Vereinigten Staaten geleitet. Daher wird ihr der künftige Arbeitsort Washington nicht fremd sein. Für Europa ist die Ernennung ein wichtiger Meilenstein für die Euro-Rettung.
Seit Gründung des IWF ist es Tradition, dass ein Europäer den Chefposten besetzt. Im Gegenzug bestimmten die Amerikaner die Spitze der Weltbank. Noch einmal ist dies gut gegangen, indem Christine Lagarde einstimmig gewählt wurde. Doch immer lauter werden die Stimmen aus den Schwellenländern wie etwa China oder Mexiko. So war auch der einzige Gegenkandidat Mexikos Zentralbankchef Augustin Carstens. Schon seit Langem fordert man aus dieser Richtung mehr Einfluss in Bezug auf den Weltwährungsfonds. Denn aus Asien heißt es, der IWF gehe mit der Euro-Krise wesentlich “sanfter” um, als man es mit den asiatischen Ländern früher getan hätte.
Mit Lagarde ist zum fünften Mal ein französischer Staatsbürger an der Spitze des IWF.. Dies macht deutlich, wie schwach besetzt gerade Deutschland in Personalfragen ist. Hierzulande gibt es aktuell einfach keine Persönlichkeit, die die Nachfolge von Strauss Kahn hätte antreten können. Christine Lagarde hingegen verfügt nicht nur aufgrund ihrer Tätigkeit als Finanzministerin über ausgezeichnete Kontakte zu ihren europäischen Kollegen, sondern wird auch von ihren Gegnern als zielstrebig und präzise geschätzt. Im französischen Fernsehen erklärte sie als erste Amtshandlung, dass sie den eingeschlagenen Reformkurs des Weltwährungsfonds weiterhin beibehalten wolle. Griechenland hingegen mahnte sie zur Einigkeit in der Opposition.
